Weihnachtsvorbereitungen

Divara Floyd, Donnerstag, 03. Januar 2019, 21:43 (vor 78 Tagen) @ Oblomow

Monsieur Oblomow, werter alex, zum Jahresende und zum Anfang des Neuen auch meine besten Wünsche voller Hoffnung.
Das Forum ist ein Lost Place geworden, ähnlich wie die, denen ich mich zurzeit besonders widme, sofern sie mal aus Stein bestanden haben, der abgetragen oder überwuchert wurde.
Hier wurde wohl eher abgetragen, aber die Spuren sind noch da. Etwas Schmutz wird auch wieder an die Oberfläche kommen, sobald ich hier durchgestreift bin, aber das ist inzwischen Kult geworden in unserem Land.
2018 war ein scheußliches Jahr, gewiss. Inzwischen wehre ich mich immer schwerer gegen das Gefühl von blankem Entsetzen, das allein der Tonfall der Frau Raute aufkommen lässt – so etwa rede ich, wenn die Schüler, denen ich zeigen muss, was sie kaum interessiert, nicht älter als 10 oder 11 Jahre sind. Wie so eine aufgedunsene Gestalt im Anzug mit schierer Dummheit alle klugen Köpfe aus dem Ring wirft, das ist wohl einmalig.
Ob es da im ungeraden Jahr besser wird? Ich sehe keinen Silberstreif. Aber vieles passiert unerwartet.
Den langen Sommer habe ich genossen, er hätte etwas weniger trocken sein dürfen, aber für mich war er wunderbar. Ich fürchte eher, dass es so schöne Abende nicht mehr geben wird, an denen man in einem Lost Place zusammensitzt und feststellt, dass die Sonne am liebsten gar nicht untergehen würde.
Da mag die Klimasekte mich nun zur Sünderin erklären. Gern.
Im September habe ich Paris besucht, nach vielen Jahren wieder, und ich habe die Stadt fast nicht wiedererkannt. Natürlich sind die vertrauten Monumente noch dort, wo sie immer waren, man hat sie zum Teil hervorragend restauriert, aber das Ambiente der Stadt hat mich an Bukarest oder Sofia denken lassen. Baustellen überall, an denen niemand arbeitet, Straßensperren, triste Metro-Bahnhöfe und die Metro, einst die beste Europas, bleibt dauernd liegen. Alte Menschen wühlen im Mülleimer nach Essbarem, und die Bettler sind nicht mehr die besoffenen Clochards von einst, sondern gut gekleidete junge Männer, die keine Wohnung bezahlen können. Die Gelbwesten sind längst zum Mob geworden, der sich vielleicht schneller als er glaubt, unter einer Diktatur von Le Pen oder Mélenchon wiederfindet. Franzosen stehen nicht für Fortschritt sondern für Anarchie.
Meine Neujahrswünsche hätte ich auch gern mr-mali, Hal und fionel übermittelt, sie sind unvergessen. Vier Menschen, die mir zu einer bestimmten Zeit einmal nahe gestanden haben, sind auch in diesem Jahr gegangen, alle viel zu früh.
Kommt gut ins Neue Jahr. Wo man mich findet, wisst ihr ja.

Divara


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