Böse Worte eines Libertären

Final Cut, Mittwoch, 07. September 2011, 03:38 (vor 5330 Tagen) @ H..

Nachtrach:

Ich bin mir bewusst, dass ich beim Thema Israel bisweilen recht schroff, ungehalten, angenervt oder wie auch immer reagiere. Das ist womöglich nicht sonderlich nett. Und es mag irritieren, dass mich Kritik an Israel dagegen nicht sonderlich aufregt.

Aber vielleicht können wir uns ja auf ein paar Grund-Fakten einigen.

Herzls Vorstellung vom "Judenstaat" ist keine klassische Idee vom Nationalstaat. Es ist schlicht eine RE-Aktion auf den Antisemitismus, die Hoffnung auf einen "Fluchtraum", lokal nur bedingt gebunden. ("Uganda-Krise" sollte sich googlen lassen.)
Herzls Vorstellung war die Vorstellung eines Außenseiters. Um nicht zu sagen "Spinners". Seine Zeitgenossen setzten in breiter Mehrheit auf den Erfolg der Assimilation. Und "Zionisten" waren bis in die 30er eine mitleidig belächelte Minderheit.
Ben Gurion - mit Verlaub, der war nicht weniger, sondern deutlich heftiger von äußeren Umständen getrieben.

Ich schlage vor, das erstmal ganz einfach vorauszusetzen. Ebenso wie die Tatsache, dass die jüdische Kultur bis zum Dritten Reich eine Diaspora-Kultur ist - definitiv OHNE Interesse an einem "Nationalstaat".

Auf der Basis können wir uns dann gern weiter unterhalten.

Herr H.,
eine Vormerkung: wenn ich Israel loben würde (fast hätte ich “lobpreisen“ geschrieben), würde mir das niemand glauben, sondern ein Jeder würde es als Sarkasmus auslegen. Die Rechten wie die Linken als auch die Philosemiten und die christlichen Ihrennächstenliebenden. Den kritischen Blick hingegen, auf die israelische Politik kaufen mir alle ab, was meinen Lesern differenziertere Reaktionen und Kommentare ermöglicht.

Bei allem gebotenen Respekt vor Ihren literarisch- historioidischen Kenntnissen (…Ben Gurion stand 1937 unter dem Sachzwang Araber zu vertreiben, weil die Juden in Deutschland verfolgt wurden) , was betrachten Sie denn als die jüdische Kultur, die bis zum dritten Reich gedauert hätte, und sind Sie der Meinung, dass die nun nach 45 in einen israelisches Staatsbewusstsein transformiert wird oder werden sollte? Sie werden mir hoffentlich zugestehen, dass ich die, auch heute noch in der Diaspora lebenden Juden, nicht als Israelis betrachte, auch wenn der ZR in Deutschland meint, als Sprachrohr der israelischen Politik fungieren zu müssen, anstatt zu versuchen, die jüdische Kultur in Deutschland wieder zum Erblühen zu bringen, stattdessen aber deren Akzeptanz/ Begrüßung in Abhängigkeit davon stellt, wie jemand zu den militärischen Aktionen Israels steht und dabei nicht einmal davor zurückschreckt, israelkritische Juden zu diskreditieren. Irgendwie kommt es mir vor, dass dabei die immer wieder hervorgehobene jüdische Kultur auf der Strecke bleibt, nicht zuletzt deswegen, weil sie heutzutage als christlich-jüdische Tradition verschnitten wird um rein politische Interessen zu camouflieren. Alex ist da ehrlicher und sprich klar von Israel als Brückenkopf der westlichen Kultur.


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