Breivik und Broder

Final Cut, Donnerstag, 28. Juli 2011, 02:12 (vor 2309 Tagen) @ Angel

Es wäre demagogisch, Broder und andere deutsche Islamophobe zu geistigen Brandstiftern zu erklären und für Breiviks Verbrechen in Mithaftung zu nehmen. Aber richtig ist eben auch, dass Schriften, wie sie Broder verbreitet, das Entrebillett für den aggressiven Antiislamismus bilden, der nicht nur die deutsche, sondern fast alle europäischen Gesellschaften befallen hat. Spätestens nach den Morden Breiviks empfiehlt sich dringend verbale Abrüstung.

Der Ansatz ist gut und richtig, aber er wird leider nicht funktionieren…

Süddeutsche Zeitung vom 26. Juli 2011, Seite 5

Politik

Bürgerkrieg im Netz

Der Attentäter von Oslo ist Teil der anti-islamischen Szene, deren verbale Gewalt den Boden für solche Taten bereitet

Von Thomas Kirchner

(…) Viele Anti-Islamisten arbeiten aktiv in der Politik, engagieren sich in Europas populistischen Parteien, oder haben sich zu radikalen Bürgerbewegungen zusammengeschlossen wie Pro Köln, Pro NRW oder Pax Europa. Zu ihren Stichwortgebern zählen Publizisten wie Henryk M. Broder, die zum Teil noch in den verhassten 'Mainstream-Medien' veröffentlichen. Ihr deutsches Leitmedium ist der Blog PI ('Politically Incorrect') des Sportlehrers Stefan Herre aus Bergisch-Gladbach, der sich als Wortführer des Anti-Dschihad aufführt. Auf diesem und anderen anti-islamischen Blogs wird nie direkt zu Gewalt gegen Muslime oder vermeintliche Multikulti-Fanatiker aufgerufen. Dafür sind die Betreiber zu clever, das überlassen sie den Kommentatoren, für die sie nicht haften. Sehr beliebt ist die Anprangerung von Journalisten oder Politikern samt Angabe von E-Mail-Adressen, die dann mit einschlägigen Mails überschüttet werden ('Dhimmi-Arschloch'). Auffällig sind der Hass und die aggressive Sprache auf diesen Seiten.(…)

(…) Die Niederlande haben vorgemacht, wie der Versuch, anti-islamische Hetze juristisch zu bekämpfen, scheitern kann. Der Politiker Geert Wilders war dort wegen diverser Äußerungen gegen den Koran (schlimmer als 'Mein Kampf') und den Propheten Mohammed ('Kinderschänder') in Artikeln und seinem Kurzfilm Fitna angeklagt. Der Vorwurf: Er habe Hass gesät und eine Bevölkerungsgruppe beleidigt. Der Prozess wurde zur Farce, weil sogar die Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte sah, Wilders zu belangen. Am Ende wurde der Islamkritiker freigesprochen. Auch wenn manche seiner Aussagen für viele Muslime beleidigend gewesen sein könnten, so der Vorsitzende Richter, seien sie Teil der legitimen politischen Debatte. (…)


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